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Offenbarungseid in Hagen

24.11.2019

Für den Zweitligisten aus Kirchheim setzt sich die Achterbahnfahrt in der aktuellen Saison fort. Dem herausragenden Sieg gegen Heidelberg folgte eine durchweg beschämende Leistung beim Tabellenletzten in Hagen, die in einer historischen 103:70-Niederlage endet.

Dreimal sieben, einmal zwölf: Die Geschichte in Hagen ist anhand der Punktedifferenz der vier Viertel schnell erzählt und steht Pate für eine absolut desolate Leistung, die die Ritter bei Phönix Hagen aufs Parkett gebracht haben. Die Knights als Aufbaugegner für die zuletzt über sieben Spiele sieglosen Hagener? Die Warnungen von Head-Coach Parra, die Feuervögel ja nicht zu unterschätzen und konzentriert aus der Abwehr heraus zu agieren überhört? Einmal mehr wird die sportliche Führung der Knights gründlich zu analysieren haben, warum der zuletzt so positive Trend am Samstag jäh gestoppt wurde.

Mit dem Vertrauen in die erfolgreiche Starting Five des Heidelberg-Spiels startete Knights-Coach Parra in die Partie. Zwar kassierten McCloud, Graf, Hahn, Koch und Kronhardt die beiden ersten Körbe, sie legten jedoch zügig nach und gestalteten das Spiel in den ersten Minuten offen. Auch als die zweite Garde mit Pape, Wohlrath und Rendleman Mitte des ersten Viertels ins Geschehen eingriffen lag man, nach zwei erfolgreichen Freiwürfen von Till Pape, sogar mit einem Punkt in Front (7:8 5:38 Min.). Dass es die einzige Führung der Gäste an diesem Abend bleiben sollte ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemand. Spätestens aber, als die Feuervögel, angeführt von einen ihrer Besten des Abends, Pechacek und Grof, in den letzten 60 Sekunden des ersten Viertels mit eines 6:0-Laufes auf 24:17 davonzogen, ahnten die mitgereisten Kirchheimer Fans wohl zum ersten Mal, dass der Abend alles andere als spaßig verlaufen werden würde – zumindest aus Kirchheimer Seite.

Auch im zweiten Viertel setzte sich fort, was sich im ersten Abschnitt andeute: Der Korb für die Kirchheimer wie vernagelt und in der Defensive eine in den letzten Spielen selten gesehene Passivität. „Unsere Defense heute Abend war beschämend“, analysierte Parra dann auch treffend nach dem Spiel. „Wenn wir derart unterlegen am Rebound waren und so oft eins gegen eins zum Korb geschlagen wurden, macht es für uns fast unmöglich, ein Spiel zu gewinnen.“ Nahezu tänzerisch bauten sich die Hagener an der desolaten Kirchheimer Defense auf. Was zuletzt der Schlüssel zum Erfolg war, war am Samstagabend in Südwestfalen die Achillesferse. Und die Hagener nutzten ihre Chance: Im zweiten Viertel nutzten sie die nächste Kirchheimer Schwächephase, um bis eine Minute vor Halbzeitpause auf 51:32 davon zu ziehen. Die Basis für den ersten Heimsieg der Saison war gelegt.

Wer glaubte, dass die Schwaben an diesem Abend nochmals in der Lage sein würden, das Ruder umzureißen wurde schnell eines Besseren belehrt. Bereits früh in der zweiten Halbzeit ergaben sich die Gäste in ihr Schicksal. Hagen dominierte zu diesem Zeitpunkt das Geschehen auf dem Parkett, die Unterlegenheit der Knights spiegelte sich in jeder einzelnen Statistik wieder: 46:30 Rebounds, eine Dreierquote von 22% gegenüber 48% auf Hagener Seite und eine klägliche Wurfausbeute bei den Zweipunktewürfen von 39% (Hagen: 62%) sprechen eine allzu deutliche Sprache: Die Hagener Mannschaft wollte an diesem Abend den Sieg.

„Ich kann Hagen heute nur zu einem überragenden Spiel gratulieren. Sie waren uns in allen Bereichen überlegen, egal welches System wir gespielt haben und egal wer bei uns auf dem Feld stand“, gesteht Parra angesichts des Spielverlaufes. Dass sich seine Spieler im letzten Viertel jedoch derart ihrem Schicksal ergaben, so dass die Niederlage zu einer 33-Punkte-Schlappe mutierte, wird mit Sicherheit noch Gegenstand zahlreicher Gespräche in der nun folgenden spielfreien Woche werden. Vier Tage trainingsfrei liegen vor den Knights Profis. Zeit, die sicher genutzt werden muss, um Kraft zu tanken, Zeit aber auch, in der jeder der Protagonisten in sich gehen sollte, um seine Leistung kritisch zu reflektieren. Denn der Blick muss einmal mehr nach vorne gehen, denn am 7. Dezember erwarten die Ritter im Kellerduell das Team aus Ehingen. Der Dezember wird intensiv, mit fünf Spielen innerhalb von 17 Tagen, davon zwei lange Auswärtsspiele. Das Team wird wieder vorlegen müssen, auch um die Fans zu versöhnen, deren Leidensfähigkeit in Hagen auf eine harte Probe gestellt wurde und so gilt ihnen auch das letzte Zitat des Head-Coaches: „Mir tut es sehr leid für die Fans, die den weiten Weg nach Hagen auf sich genommen haben. Wir werden hart an uns arbeiten und im nächsten Spiel unser wahres Gesicht zeigen.“

Phoenix Hagen gegen VfL Kirchheim Knights 103:70 (24:17, 27:20, 19:12, 33:21)

Brauner (5), Butler (1), Koch (6), Rendleman (4), Nicklaus (n.e.), Pape (8), Haziri (n.e.), Wohlrath (10), McCloud (13), Graf (4), Hahn (8), Kronhardt (11)